{"id":53,"date":"2026-09-27T17:35:04","date_gmt":"2026-09-27T15:35:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.holztriftmuseum.at\/?p=53"},"modified":"2026-09-29T16:13:50","modified_gmt":"2026-09-29T14:13:50","slug":"die-geschichte-der-holztriftanlage-klausen-leopoldsdorf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.holztriftmuseum.at\/?p=53","title":{"rendered":"Die Geschichte der Holztriftanlage Klausen-Leopoldsdorf"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Wende in der Besiedelungspolitik im Bereich des inneren Wienerwalds unter Kaiser wurde durch den damals zust\u00e4ndigen Waldmeister Johann St\u00fcckhl eingeleitet. Die kaiserliche Hofkammer forderte 1663 vom Waldamt mit Sitz in Purkersdorf ein Kriegsdarlehen in der H\u00f6he von 6.000 Gulden. Auf Grund der finanziellen Lage des Waldamts ersuchte der Waldmeister im Fr\u00fchjahr 1664 die Hofkammer, ihn von der Darlehensforderung zu befreien und machte einen Gegenvorschlag. Er schlug vor, in den entlegenen W\u00e4ldern um den Sch\u00f6pfl, wo j\u00e4hrlich tausende B\u00e4ume ungen\u00fctzt verfaulten, Untertanen zur Waldnutzung anzusiedeln. Der Vorschlag des Waldmeisters Johann St\u00fcckhl ging so weit, bei der Hofkammer eine Verpachtung des betroffenen Gebietes an ihn anzuregen und w\u00e4re dann zu einer Darlehens-zahlung von 3.000 Gulden bereit gewesen. Die Hofkammer lehnte diesen Vorschlag ab, war aber einer Besiedelung des Gebietes nicht abgeneigt. St\u00fcckhl erlebte aber die Umsetzung seiner Vorschl\u00e4ge nicht mehr.<br>Sein am 1. April 1664 bestellter Nachfolger Zacharias Adam Bauer von Bauersberg und der Waldschaffer Christoph Schreyer legten der Kaiserl. Hofkammer am 23. Juli 1665 einen auf Basis vom Vorschlag St\u00fcckhls modifizierten Vorschlag zur Waldnutzung  des Sch\u00f6pfelgebietes unter Anf\u00fchrung der m\u00f6glichen Ertr\u00e4ge vor. So wurde auch der Bau einer S\u00e4gem\u00fchle zur nutzung der gro\u00dfen Tannenholzbest\u00e4nde vorgeschlagen. Das n\u00f6tige Eisenzeug stand von einer N\u00e4he Purkersdorf demontierten S\u00e4gem\u00fchle zur Verf\u00fcgung und h\u00e4tte die amortisierung beschleunigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Herbst 1666 unterbreitete der Waldmeister Zacharias Adam Bauer von Bauersberg Kaiser Leopold I. den konkreten Vorschlag zur Errichtung einer Scheiterholz-Triftanlage am Zusammenfluss der Quellb\u00e4che an der Schwe-chat im Inneren Wienerwald. Die Scheiterholz-Triftanlage sollte den Brennholzbedarf des Kaiserlichen Hofes, der \u00c4mter und der Bev\u00f6lkerung von Wien unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kaiser Leopold I. bewilligt die Errichtung der Holztrift an der Schwechat<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 20. Januar 1667 wurde der Waldmeister Zacharias Adam Bauer von Bauersberg von der Hofkammer informiert, dass der Kaiser eine Verwirklichung des Projekts bef\u00fcrwortet. Die erforderlichen Geldmittel musste Bauer vorerst aus eigener Tasche aufbringen, der Kaiser versprach ihm jedoch diese sp\u00e4ter verzinst zu erstatten. Ferner stellte Kaiser Leopold l. den Schwemmbetrieb im Wienerwald unter den Schutz eines bereits am 1. Mai 1665 erlassenen Patentes.<br>Die Errichtung der Holztriftanlage im Wienerwald in der vorindustriellen Zeit des 17.Jahrhunderts bedeutete gleichzeitig eine Revolution im Transportwesen. Die durchschnittliche j\u00e4hrliche Transportleistung einer Klause erreichte die theoretische Leistung von 200 Fuhrwerken, wobei bis Ende des 20. Jahrhunderts der Verkehr von Schwerfuhrwerken auf den unbefestigten Wienerwaldstra\u00dfen nicht m\u00f6glich war.<br>Der Wienerwald war bis in das 17. Jahrhundert als besonders gesch\u00fctztes kaiserliches Jagdgebiet sogenannter Jagdbannwald. F\u00fcr die Errichtung einer Holztriftanlage inmitten dieses Jagdgebietes musste noch die Genehmigung des Oberst-Hof- und Landesj\u00e4germeisters in \u00d6sterreich unter der Enns, Franz Bernhardt Graff von Urschenpekh eingeholt werden. In einer Stellungnahme vom 18. Februar 1667 teilt Urschenpekh der Hofkammer mit, dass er nach eingehender Pr\u00fcfung der Unterlagen nichts gegen die Errichtung der Holztriftanlage an der Schwechat von hinter Alland bis Laxenburg habe.<br>Bereits am 12. Februar 1667 hatte das Waldamt f\u00fcr die Hofkammer eine Liste mit den f\u00fcr den Bau der Holztriftanlage notwendigen Eisenbestandteilen erstellt. Die Hofkammer sandte diese Bestellung am 19. Februar 1667 an das Salzamt Gmunden weiter, welches die Erzeugung der Eisenwaren im Salzkammergut in Auftrag gab. Die Erzeugung des Eisenzeugs durch eine Schmiede in Ischl war auch mit einer Preisreduktion gegen\u00fcber dem urspr\u00fcnglichen Kostenvoranschlag verbunden. Gleichzeitig mit den Eisenwaren wurde von der Hofkammer die Beistellung von qualifizierten Fachleuten aus dem Salzkammergut f\u00fcr die Errichtung der Holztriftanlage an der Schwechat gefordert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Erbauer der ersten Klause treffen ein 51 Holzknechte und Zimmerleute aus dem Salzkammergut. Sie traten am 20. M\u00e4rz 1667 in Gmunden am Traunsee eine Schiffsreise nach Wien an, wo sie am 25. M\u00e4rz 1667 ankamen. Mitgef\u00fchrt haben sie neben ihren Werkzeugen, das f\u00fcr den Bau der hinter Alland geplanten Klause ben\u00f6tigte Eisenzeug. Am Samstag, dem 26. M\u00e4rz 1667 abends legten die 51 Werkleute aus dem Salzkammergut unter F\u00fchrung von Han\u00df Undterberger und Han\u00df Schiendorfer in Nu\u00dfdorf bei Wien an und \u00fcbernachteten. Sonntag fr\u00fch ging es dann mit 4 Fuhrwerken f\u00fcr das eiserne Baumaterial und die Werkzeuge, begleitet vom Waldmeister Bauer bis nach Kaltenleutgeben. Am darauf folgenden Montag erfolgte die Weiterreise nach Baden. In der N\u00e4he der Kapelle St. Helena errichteten die Werkleute aus dem Salzkammergut ein Lager und eine Feldk\u00fcche. Gleichzeitig begannen die Arbeiten zur Errichtung eines Holzfangrechens und eines Holzlagerplatzes an der Schwechat in N\u00e4he der Kapelle. Die Holzknechte und Zimmerleute aus dem Salzkammergut trafen am 3. April 1667 im damals unbesiedelten Inneren Wienerwald, dem heutigen Klausen-Leopoldsdorf ein. Sofort begannen die Holzknechte mit der Schl\u00e4gerung des Bauholzes f\u00fcr die Errichtung der Schlaf-und Werkzeugh\u00fctten und der Klause aus Holz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste Klause entsteht<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Arbeiten zur Errichtung der Klause hinter Alland gingen z\u00fcgig voran. Kurz vor Fertigstellung der Klause im Juli 1667 verursachten starke Regenf\u00e4lle einen bedeutenden Anstieg der Schwechat. Mitgef\u00fchrtes Schwemmgut verstopfte das Klaustor der fast fertiggestellten Klause. Durch die darauf folgende \u00dcberschwemmung des Klausdamms wurde die Klause schwer besch\u00e4digt. Der Einbau eines zweiten Tores wurde notwendig um die Klause zuk\u00fcnftig besser zu sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die besonderen Anforderungen dieser Situation machten sich die Arbeiter zu Nutze um Lohnforderungen zu stellen. Auf Grund ihrer gemeinsamen Herkunft aus dem Salzkammergut entwickelten sie eine Form von fr\u00fcher gewerkschaftlicher Solidarit\u00e4t gegen\u00fcber dem Waldmeister und drohten die Arbeitsstelle zu verlassen. Der Hofkammerrat Johann Rascher von Wayeregg versuchte zu vermitteln und reiste am 4. Augutst 1667 zur Baustelle. Die werkleute argumentierten , dass der Klausenbau viel gef\u00e4hrlicher sei als ihre Arbeit in Gmunden und die Lebenshaltungskosten wesentlich h\u00f6her waren als im Salzkammergut. Ausserdem w\u00e4re ja noch ihre Frauen und kinder zu versorgen. Da die bisherige Arbeitsleistung den Anforderungen des Waldamts und der Hofkammer entsprach, wurde der Forderung nach einer Erh\u00f6hung des Taglohns entsprochen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste Probetrift<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 5. Oktober 1667 wurden von der Anfang September fertiggestellten Klause (am selben Ort wie die heutige Hauptklause) 102 rn3 Bu-chenscheiter und 191 rm3 Tannenscheiter bis zum provisorischen Rechen in Baden St. Helena getriftet. Dieses Datum kann gleichzeitig als Inbetriebnahme der Holztriftanlage angesehen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste Klause unserer Holztriftanlage war eine Steinkastenklause. Der Zwischenraum zwischen zwei massiven Holzw\u00e4nden wurde mit Lehm und Steinen bef\u00fcllt. Diese Klause stand genau an der Stelle der heutigen Hauptklause. Alle weiteren Klausen waren Erddammklausen. Auf ein Fundament aus starken Eichenst\u00e4mmen, welche mit Piloten im Boden verankert wurden, hat man einen Damm mit einem wasserundurchl\u00e4ssigen Tegelkern aufgebaut. Auf der Wasserseite, das ist die dem Staubecken zugewendete Seite, wurde der Damm mit einer sch\u00fctzenden Steinvermauerung versehen. Ein Uberlauf bewahrte die Dammkrone vor Besch\u00e4digung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis ins 19. Jahrhundert waren die Klausen mit Schlagtoren versehen. Die Tore waren einfl\u00fcgelig und auf zwei starken Angeln auf-geh\u00e4ngt. Um die Tore f\u00fcr die Trift zu \u00f6ffnen, musste der Verschluss-Riegel mit einem Schlegel aufgeschlagen werden. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die meisten Klausen auf ein Hebetorsystem umgebaut. Zwischen zwei massiven Eisenschienen wurde das Holztor mit einer Winde vertikal bewegt. Die Hebetore hatten den Vorteil, bei ausreichend Selbstwasser der Triftb\u00e4che nicht die ganze Tor\u00f6ffnung f\u00fcr den Wasserdurchfluss freizugeben und dadurch das Triftwasser l\u00e4nger zur Verf\u00fcgung zu haben. Diese Regulierungsm\u00f6glichkeit hatte auch wesentliche Vorteile bei Vor- und Nachtriften.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Holztriftanlage<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Endausbau hatte die Holztriftanlage in Klausen-Leopoldsdorf 14 Klausen. Das Stau-verm\u00f6gen der Klausen betrug insgesamt 293.592 m3. Die Triftbachl\u00e4nge im Ort betrug ca. 80kmund bis zum Rechen in Baden weitere 20km. Die Anlage verzeichnete in seiner 272-j\u00e4hrigen Betriebszeit von 1667 bis 1939 eine Gesammt-Schwemmleistung von c. 10 Millionen Raumfestmeter Sheiterholz <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Auszug aus dem Heimatbuch Klausen Leopoldsdorf Autor Horst Schmid<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Wende in der Besiedelungspolitik im Bereich des inneren Wienerwalds unter Kaiser wurde durch den damals zust\u00e4ndigen Waldmeister Johann St\u00fcckhl &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":63,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"iawp_total_views":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-53","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.holztriftmuseum.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/53","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.holztriftmuseum.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.holztriftmuseum.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.holztriftmuseum.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.holztriftmuseum.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=53"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.holztriftmuseum.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/53\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":208,"href":"https:\/\/www.holztriftmuseum.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/53\/revisions\/208"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.holztriftmuseum.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/63"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.holztriftmuseum.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=53"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.holztriftmuseum.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=53"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.holztriftmuseum.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=53"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}