Eine Wende in der Besiedelungspolitik im Bereich des inneren Wienerwalds unter Kaiser wurde durch den damals zuständigen Waldmeister Johann Stückhl eingeleitet. Die kaiserliche Hofkammer forderte 1663 vom Waldamt mit Sitz in Purkersdorf ein Kriegsdarlehen in der Höhe von 6.000 Gulden. Auf Grund der finanziellen Lage des Waldamts ersuchte der Waldmeister im Frühjahr 1664 die Hofkammer, ihn von der Darlehensforderung zu befreien und machte einen Gegenvorschlag. Er schlug vor, in den entlegenen Wäldern um den Schöpfl, wo jährlich tausende Bäume ungenützt verfaulten, Untertanen zur Waldnutzung anzusiedeln. Der Vorschlag des Waldmeisters Johann Stückhl ging so weit, bei der Hofkammer eine Verpachtung des betroffenen Gebietes an ihn anzuregen und wäre dann zu einer Darlehens-zahlung von 3.000 Gulden bereit gewesen. Die Hofkammer lehnte diesen Vorschlag ab, war aber einer Besiedelung des Gebietes nicht abgeneigt. Stückhl erlebte aber die Umsetzung seiner Vorschläge nicht mehr.
Sein am 1. April 1664 bestellter Nachfolger Zacharias Adam Bauer von Bauersberg und der Waldschaffer Christoph Schreyer legten der Kaiserl. Hofkammer am 23. Juli 1665 einen auf Basis vom Vorschlag Stückhls modifizierten Vorschlag zur Waldnutzung des Schöpfelgebietes unter Anführung der möglichen Erträge vor. So wurde auch der Bau einer Sägemühle zur nutzung der großen Tannenholzbestände vorgeschlagen. Das nötige Eisenzeug stand von einer Nähe Purkersdorf demontierten Sägemühle zur Verfügung und hätte die amortisierung beschleunigt.
Im Herbst 1666 unterbreitete der Waldmeister Zacharias Adam Bauer von Bauersberg Kaiser Leopold I. den konkreten Vorschlag zur Errichtung einer Scheiterholz-Triftanlage am Zusammenfluss der Quellbäche an der Schwe-chat im Inneren Wienerwald. Die Scheiterholz-Triftanlage sollte den Brennholzbedarf des Kaiserlichen Hofes, der Ämter und der Bevölkerung von Wien unterstützen.
Kaiser Leopold I. bewilligt die Errichtung der Holztrift an der Schwechat
Am 20. Januar 1667 wurde der Waldmeister Zacharias Adam Bauer von Bauersberg von der Hofkammer informiert, dass der Kaiser eine Verwirklichung des Projekts befürwortet. Die erforderlichen Geldmittel musste Bauer vorerst aus eigener Tasche aufbringen, der Kaiser versprach ihm jedoch diese später verzinst zu erstatten. Ferner stellte Kaiser Leopold l. den Schwemmbetrieb im Wienerwald unter den Schutz eines bereits am 1. Mai 1665 erlassenen Patentes.
Die Errichtung der Holztriftanlage im Wienerwald in der vorindustriellen Zeit des 17.Jahrhunderts bedeutete gleichzeitig eine Revolution im Transportwesen. Die durchschnittliche jährliche Transportleistung einer Klause erreichte die theoretische Leistung von 200 Fuhrwerken, wobei bis Ende des 20. Jahrhunderts der Verkehr von Schwerfuhrwerken auf den unbefestigten Wienerwaldstraßen nicht möglich war.
Der Wienerwald war bis in das 17. Jahrhundert als besonders geschütztes kaiserliches Jagdgebiet sogenannter Jagdbannwald. Für die Errichtung einer Holztriftanlage inmitten dieses Jagdgebietes musste noch die Genehmigung des Oberst-Hof- und Landesjägermeisters in Österreich unter der Enns, Franz Bernhardt Graff von Urschenpekh eingeholt werden. In einer Stellungnahme vom 18. Februar 1667 teilt Urschenpekh der Hofkammer mit, dass er nach eingehender Prüfung der Unterlagen nichts gegen die Errichtung der Holztriftanlage an der Schwechat von hinter Alland bis Laxenburg habe.
Bereits am 12. Februar 1667 hatte das Waldamt für die Hofkammer eine Liste mit den für den Bau der Holztriftanlage notwendigen Eisenbestandteilen erstellt. Die Hofkammer sandte diese Bestellung am 19. Februar 1667 an das Salzamt Gmunden weiter, welches die Erzeugung der Eisenwaren im Salzkammergut in Auftrag gab. Die Erzeugung des Eisenzeugs durch eine Schmiede in Ischl war auch mit einer Preisreduktion gegenüber dem ursprünglichen Kostenvoranschlag verbunden. Gleichzeitig mit den Eisenwaren wurde von der Hofkammer die Beistellung von qualifizierten Fachleuten aus dem Salzkammergut für die Errichtung der Holztriftanlage an der Schwechat gefordert.
Die Erbauer der ersten Klause treffen ein 51 Holzknechte und Zimmerleute aus dem Salzkammergut. Sie traten am 20. März 1667 in Gmunden am Traunsee eine Schiffsreise nach Wien an, wo sie am 25. März 1667 ankamen. Mitgeführt haben sie neben ihren Werkzeugen, das für den Bau der hinter Alland geplanten Klause benötigte Eisenzeug. Am Samstag, dem 26. März 1667 abends legten die 51 Werkleute aus dem Salzkammergut unter Führung von Hanß Undterberger und Hanß Schiendorfer in Nußdorf bei Wien an und übernachteten. Sonntag früh ging es dann mit 4 Fuhrwerken für das eiserne Baumaterial und die Werkzeuge, begleitet vom Waldmeister Bauer bis nach Kaltenleutgeben. Am darauf folgenden Montag erfolgte die Weiterreise nach Baden. In der Nähe der Kapelle St. Helena errichteten die Werkleute aus dem Salzkammergut ein Lager und eine Feldküche. Gleichzeitig begannen die Arbeiten zur Errichtung eines Holzfangrechens und eines Holzlagerplatzes an der Schwechat in Nähe der Kapelle. Die Holzknechte und Zimmerleute aus dem Salzkammergut trafen am 3. April 1667 im damals unbesiedelten Inneren Wienerwald, dem heutigen Klausen-Leopoldsdorf ein. Sofort begannen die Holzknechte mit der Schlägerung des Bauholzes für die Errichtung der Schlaf-und Werkzeughütten und der Klause aus Holz.
Die erste Klause entsteht
Die Arbeiten zur Errichtung der Klause hinter Alland gingen zügig voran. Kurz vor Fertigstellung der Klause im Juli 1667 verursachten starke Regenfälle einen bedeutenden Anstieg der Schwechat. Mitgeführtes Schwemmgut verstopfte das Klaustor der fast fertiggestellten Klause. Durch die darauf folgende Überschwemmung des Klausdamms wurde die Klause schwer beschädigt. Der Einbau eines zweiten Tores wurde notwendig um die Klause zukünftig besser zu schützen.
Die besonderen Anforderungen dieser Situation machten sich die Arbeiter zu Nutze um Lohnforderungen zu stellen. Auf Grund ihrer gemeinsamen Herkunft aus dem Salzkammergut entwickelten sie eine Form von früher gewerkschaftlicher Solidarität gegenüber dem Waldmeister und drohten die Arbeitsstelle zu verlassen. Der Hofkammerrat Johann Rascher von Wayeregg versuchte zu vermitteln und reiste am 4. Augutst 1667 zur Baustelle. Die werkleute argumentierten , dass der Klausenbau viel gefährlicher sei als ihre Arbeit in Gmunden und die Lebenshaltungskosten wesentlich höher waren als im Salzkammergut. Ausserdem wäre ja noch ihre Frauen und kinder zu versorgen. Da die bisherige Arbeitsleistung den Anforderungen des Waldamts und der Hofkammer entsprach, wurde der Forderung nach einer Erhöhung des Taglohns entsprochen.
Die erste Probetrift
Am 5. Oktober 1667 wurden von der Anfang September fertiggestellten Klause (am selben Ort wie die heutige Hauptklause) 102 rn3 Bu-chenscheiter und 191 rm3 Tannenscheiter bis zum provisorischen Rechen in Baden St. Helena getriftet. Dieses Datum kann gleichzeitig als Inbetriebnahme der Holztriftanlage angesehen werden.
Die erste Klause unserer Holztriftanlage war eine Steinkastenklause. Der Zwischenraum zwischen zwei massiven Holzwänden wurde mit Lehm und Steinen befüllt. Diese Klause stand genau an der Stelle der heutigen Hauptklause. Alle weiteren Klausen waren Erddammklausen. Auf ein Fundament aus starken Eichenstämmen, welche mit Piloten im Boden verankert wurden, hat man einen Damm mit einem wasserundurchlässigen Tegelkern aufgebaut. Auf der Wasserseite, das ist die dem Staubecken zugewendete Seite, wurde der Damm mit einer schützenden Steinvermauerung versehen. Ein Uberlauf bewahrte die Dammkrone vor Beschädigung.
Bis ins 19. Jahrhundert waren die Klausen mit Schlagtoren versehen. Die Tore waren einflügelig und auf zwei starken Angeln auf-gehängt. Um die Tore für die Trift zu öffnen, musste der Verschluss-Riegel mit einem Schlegel aufgeschlagen werden. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die meisten Klausen auf ein Hebetorsystem umgebaut. Zwischen zwei massiven Eisenschienen wurde das Holztor mit einer Winde vertikal bewegt. Die Hebetore hatten den Vorteil, bei ausreichend Selbstwasser der Triftbäche nicht die ganze Toröffnung für den Wasserdurchfluss freizugeben und dadurch das Triftwasser länger zur Verfügung zu haben. Diese Regulierungsmöglichkeit hatte auch wesentliche Vorteile bei Vor- und Nachtriften.
Die Holztriftanlage
Im Endausbau hatte die Holztriftanlage in Klausen-Leopoldsdorf 14 Klausen. Das Stau-vermögen der Klausen betrug insgesamt 293.592 m3. Die Triftbachlänge im Ort betrug ca. 80kmund bis zum Rechen in Baden weitere 20km. Die Anlage verzeichnete in seiner 272-jährigen Betriebszeit von 1667 bis 1939 eine Gesammt-Schwemmleistung von c. 10 Millionen Raumfestmeter Sheiterholz
Auszug aus dem Heimatbuch Klausen Leopoldsdorf Autor Horst Schmid
